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Worum es in diesem Beitrag geht:
Inhaltsverzeichnis
„Ich muss das jetzt einfach so akzeptieren.“
Der Satz taucht meist in Momenten auf, in denen etwas nicht passt, wenn sich eine Situation ungerecht anfühlt oder als feststehend dargestellt wird.
Im Arbeitskontext bedeutet er nicht selten: Die Entscheidung steht, Alternativen werden nicht mehr betrachtet.
Allerdings hat dieser Satz psychologisch gesehen wenig mit Akzeptanz zu tun.
Was ist Akzeptanz?
In der Psychologie ist Akzeptanz eine aktive Haltung, in der Ereignisse oder Situationen offen aufgenommen werden.
Als Beispiel: Eine Kollegin kritisiert deine Präsentation vor dem ganzen Team.
Eine starre, blockierende Haltung lässt dich denken: „Das ist furchtbar. Ich bin eine Versagerin. Ich halte nie wieder eine Präsentation.“
Eine Haltung, die der Definition von Akzeptanz entspricht, wäre: „Autsch, die Kritik tut weh. Aber vielleicht steckt auch etwas Nützliches darin? Ich entscheide selbst, wie ich damit umgehe und weitermache.“
Das mal eben so anzuwenden, ist nicht einfach.
Wir können es aber trainieren, diese Haltung anzunehmen und handlungsfähiger zu werden.
Zum Beispiel mit der Acceptance and Commitment Therapy (ACT).
Was ist ACT und wie hilft es?
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie – abgekürzt ACT – wird der Verhaltenstherapie zugeordnet.
Sie wurde in den 1980er-Jahren von Steven C. Hayes und Kolleg:innen entwickelt und wird heute auch in der Führungskräfteentwicklung eingesetzt (Hayes et al., 2012).
Das Ziel der ACT-Methode:
Die psychologische Flexibilität zu stärken.
Statt unangenehme Gedanken oder Gefühle kontrollieren oder vermeiden zu wollen, können wir lernen, sie bewusst wahrzunehmen und das eigene Verhalten an persönlichen Werten auszurichten.
Das sagt die Forschung
Studien zeigen, dass Akzeptanz im Arbeitskontext mit geringerer emotionaler Erschöpfung, weniger Stresssymptomen und höherer psychischer Flexibilität verbunden ist (z. B. Bond et al., 2011; Flaxman & Bond, 2010; Archer et al., 2024).
Eine Studie mit 281 Mitarbeitenden aus der Fertigungsbranche untersuchte die Wirkung eines halbtägigen ACT-Trainings (Archer et al., 2024).
Das Ergebnis nach 3 Monaten:
- die Emotionale Erschöpfung ging zurück
- die Zufriedenheit im Job stieg.
- besonders stark belastete Mitarbeitende schneller von Stress erholten
- Weniger belastete fühlten sich dafür erfüllter in ihrer Arbeit
Diese Form der Prävention, ist wichtig für uns, den sowohl im Privatem als auch im Arbeitsalltag zieht der innere Kampf gegen Gedanken oder Gefühle häufig zusätzliche Energie.
Warum kostet innerer Widerstand so viel Energie?
Innerer Widerstand kostet uns Energie, weil Gedanken, Gefühle oder Körperreaktionen kontrolliert, unterdrückt oder bekämpft werden.
Als Beispiel: Du bist erkältet. Arbeitest aber trotzdem weiter. Weil du sicher bist, dass dein Team dich braucht, weil du ganz wichtige Termine hast und einfach nicht ausfallen darfst.
Und meistens läuft nichts so richtig gut. Du bist langsamer, machst Fehler, erschöpfst dich noch mehr und bist von dir vielleicht sogar genervt.
Genau das kostet dich mehr Energie als die Krankheit selbst.
Die ACT nennt das Experienzielle Vermeidung: Wer unangenehme innere Zustände dauerhaft vermeiden will, erhöht langfristig die Belastung (Waltz & Hayes, 2010).
Akzeptanz würde hier bedeuten:
- Ja, ich bin krank. Das ist gerade so.
- Ich lasse Gefühle von Enttäuschung oder Genervtheit zu.
- Und überlege, was ich brauche wirklich brauche. Arbeite ich eingeschränkt weiter, delegiere ich, oder ziehe ich mich für einen Tag zurück?
Wichtig: Akzeptanz ist nicht gleich Resignation!
Resignation wäre, aufzugeben und andere für sich entscheiden zu lassen.
Mit Akzeptanz entscheide ich trotz eines schwierigen Kontexts, wie ich handle.
Was das für deine Führung konkret bedeutet
Akzeptanz verändert eine Situation nicht direkt, dafür allerdings die Bedingungen, unter denen du reflektiert und angemessen handeln kannst. Akzeptanz ist eine Form von Selbstführung und damit eine zentrale Grundlage wirksamer Führung.
Akzeptanz erweitert im Führungsalltag den Handlungsspielraum, weil Energie nicht länger in den Kampf gegen unveränderliche innere Reaktionen fließt.
Akzeptieren schafft Handlungsspielraum.
Das kannst Du konkret tun
Ich kann dir versichern: Akzeptanz lässt sich üben. Nutze dafür direkt diese drei Reflexionsfragen:
1. Beobachte, wo du innerlich kämpfst
Wogegen wehrst du dich gerade? Gegen eine Entscheidung, ein Gefühl, eine Situation? Kannst du es für einen Moment wahrnehmen, ohne es ändern zu wollen?
2. Unterscheide zwischen Situation und Reaktion
Was passiert gerade wirklich – und was ist deine innere Bewertung davon? Diese Unterscheidung schafft Klarheit.
3. Frage dich: Was kann ich trotzdem tun?
Akzeptieren heißt nicht Stillstand. Es öffnet den Raum für bewusste Entscheidungen – auch unter Druck.
Literaturquellen
Archer, R., Lewis, R., Yarker, J., Zernerova, L., & Flaxman, P. E. (2024). Increasing workforce psychological flexibility through organization-wide training: Influence on stress resilience, job burnout, and performance. Journal of Contextual Behavioral Science, 33, 100799.
Benoy, C., Eifert, G. H., & Gloster, A. T. (2020). Aktuelle Weiterentwicklungen der Verhaltenstherapie: Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). In J. Hoyer & S. Knappe (Hrsg.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (S. 459–469). Springer-Verlag.
Bond, F. W., Hayes, S. C., Baer, R. A., Carpenter, K. M., Guenole, N., Orcutt, H. K., Waltz, T., & Zettle, R. D. (2011). Preliminary psychometric properties of the Acceptance and Action Questionnaire–II. Behavior Therapy, 42(4), 676–688.
Flaxman, P. E., & Bond, F. W. (2010). A randomised worksite comparison of acceptance and commitment therapy and stress inoculation training. Behaviour Research and Therapy, 48(8), 816–820.
Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (2012). Acceptance and Commitment Therapy: The Process and Practice of Mindful Change (2nd ed.). Guilford Press.
Waltz, T. J., & Hayes, S. C. (2010). Acceptance and commitment therapy. In N. Kazantzis et al. (Eds.), Cognitive and behavioral theories in clinical practice (pp. 148–192). Guilford Press.
Hier gibts Unterstützung
Wenn Du merkst, dass innerer Widerstand Dich im Führungsalltag mehr kostet als die Situation selbst, begleite ich Dich dabei, Akzeptanz als Teil Deiner Selbstführung zu stärken.
Du arbeitest daran, zu verstehen was in dir drinnen los ist und wie du deine Handlungsspielräume Stück für Stück vergrößern kannst. Melde Dich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch.





