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Ich war neulich in einem beruflichen Meetup, bei dem sich alle Teilnehmenden reihum vorstellen sollten. Für mich als introvertierte Person war das schon eine Herausforderung. Als dann alle vor mir auf Englisch sprachen, war ich völlig überfordert und plante innerlich die Flucht. Was natürlich nicht ging und dann war ich dran.

Ich habe in diesem Moment offen gesagt, dass ich eine Vorstellung auf Englisch gerade nicht gut hinbekomme und mich lieber auf Deutsch vorstelle. Für niemanden in der Runde war das ein Problem. Für mich war es trotzdem ein Albtraum. Schon irgendwie der Inbegriff des Scheiterns.

Mit etwas Abstand wird mir klar, dass ich meine Komfortzone verlassen hatte. Das soll ja laut Lehrbuch gut fürs Lernen sein. Nur hatte ich in diesem Fall mehr Panik- als Lernmomente.

Komfortzone – ein Begriff mit Missverständnissen

Der Begriff Komfortzone klingt nach Sofa, Balkon oder Urlaub – nach Orten, an denen wir uns wohlfühlen. Im beruflichen Kontext wird er allerdings oft als Synonym für Leistungssteigerung, Veränderungsdruck und Weiterentwicklung verwendet. Die Aufforderung „Raus aus der Komfortzone!“ suggeriert, dass Veränderung gut und notwendig ist. Das Problem ist jedoch, dass diese Vorstellung zu einfach ist. Was für die eine Person eine willkommene Herausforderung ist, kann für andere Überforderung bedeuten (Molinsky, 2017).

* Das Drei-Zonen-Modell wurde in der Erlebnispädagogik entwickelt und macht Lernprozesse anschaulich. Auch wenn es außerhalb dieses Bereichs nicht wissenschaftlich belegt ist, lädt es dazu ein, gemeinsam über Entwicklung und neue Erfahrungen ins Gespräch zu kommen.

Drei Zonen: Komfortzone, 
Lernzone, Panikzone

Das Drei-Zonen-Modell stammt ursprünglich aus der Erlebnispädagogik und wird dort als anschauliches Werkzeug genutzt, um Lern- und Entwicklungsprozesse greifbar zu machen (Luckner & Nadler, 1997; Ballach & Brede, 2011).

Auch wenn es außerhalb dieses Bereichs nicht empirisch belegt ist, bietet es einen hilfreichen Rahmen, um gemeinsam über Entwicklung und neue Erfahrungen ins Gespräch zu kommen.

Lernen braucht Pausen 
– so wie im Sport

Wie im Leistungssport braucht auch persönliche Entwicklung ein Zusammenspiel aus Reiz und Erholung. Ein Muskel wächst durch gezielte, zeitlich begrenzte Überlastung – nicht durch Dauerstress. Keine Spitzensportlerin würde ohne Pause trainieren. Genauso funktioniert Lernen: Es braucht Herausforderung, aber ebenso Sicherheit, Regeneration und Raum zum Reflektieren (Johnstone & Player, 2018; WHO, 2020).

Komfortzone – hier bin ich sicher

In der Komfortzone handeln wir sicher, routiniert und selbstbewusst. Wir greifen auf Erfahrungen zurück, auf erprobte Abläufe und vertraute Umgebungen. Das spart uns Energie und wir fühlen uns sicher. Das ist bequem, führt aber auf Dauer dazu, dass wir uns nicht weiterentwickeln. Denn es entstehen kaum neue neuronale Verknüpfungen (Blattmann, 2021).

Lernzone – ich kann ich mutiger sein

In der Lernzone arbeitet das Gehirn aktiver: Der Hippocampus – zuständig für das Speichern neuer Informationen – wird stimuliert. Gleichzeitig fördern Botenstoffe wie Noradrenalin und Dopamin unsere Konzentration, Motivation und Kreativität, solange der Stress im Rahmen bleibt (Attardo et al., 2022; Johnstone & Player, 2018). An Herzklopfen, innere Unruhe und Selbstzweifel merken wir, dass wir in der Lern- und Wachtumszone sind. 

Panikzone – hier gehts mir nicht gut

Wird der Stress jedoch zu groß, übernimmt die Amygdala das Kommando und es heißt „Alarm“. Der präfrontale Kortex wird blockiert und Cortisol ausgeschüttet. Denken, planen, lernen sind nicht möglich. Das heißt: In dieser Zone findet keine Entwicklung statt. Wir zeihen uns zurück. (Attardo et al., 2022; Johnstone & Player, 2018).

Mein Plädoyer 
für die Komfortzone

Wie im Leistungssport braucht auch persönliche Entwicklung ein Zusammenspiel aus Reiz und Erholung. Ein Muskel wächst durch gezielte, zeitlich begrenzte Überlastung. Und eben nicht durch Dauerstress. Keine Spitzensportlerin würde ohne Pause trainieren. Genauso funktioniert Lernen: Wir brauchen die Herausforderung, aber ebenso Sicherheit, Regeneration, Raum & Ruhe zum Reflektieren (Johnstone & Player, 2018; WHO, 2020).

Fünf Beobachtungen
für Deine Führung

  • Lernräume fühlen sich nicht für alle gleich an. Was für eine Person spannend ist, kann für eine andere überfordernd sein.

  • Es hilft, Menschen im Team gut zu kennen: Wer geht gern voraus? Wer braucht eher Struktur oder Rückzug?

  • Lernimpulse wirken besser, wenn sie eingebettet sind. Vertrauen, transparente Kommunikation und gegenseitige Rücksichtnahme sind entscheidend.

  • Führung bedeutet auch, das Belastungsniveau einschätzen zu können: Wer steht kurz vor einem Entwicklungsschritt – und wer kurz vor dem Umkippen?

  • Offenheit für Zweifel stärkt das Miteinander und macht Teams resilienter – also widerstandsfähiger gegenüber Belastungen.

Jetzt Du: Was wäre ein guter nächster Schritt?

Begriffe wie Komfortzone oder Lernzone können helfen, Führung und Entwicklung einzuordnen. Wenn Du gerade klärst, was als Nächstes dran ist: Schreib mir gern. Ich begleite Dich dabei, Orientierung zu finden und Deine Handlungsspielräume zu erweitern.

Attardo, A. et al. (2022). Repeated stress destabilizes synapses in the hippocampus and impairs episodic memoryTranslational Psychiatry.

Ballach, S. & Brede, A. (2011). Raus aus Deiner Komfortzone. mvg Verlag.

Blattmann, M. (2021). Sie verlassen nun die Komfortzone. Bookoffinance Verlag.

Edmondson, A. (2019). Die angstfreie Organisation. Vahlen Verlag.

Fachportal Pädagogik: Überblicksartikel zu Stress und Gedächtnis.

Fraizer, M. L. et al. (2017). Psychological Safety: A Meta-Analytic Review and ExtensionPersonnel Psychology.

Helbig, K. & Norman, M. (2024). Playbook Psychologische Sicherheit. Franz Vahlen Verlag.

Johnstone, M. & Player, M. (2018). Kein Stress! Wie Sie Stress und Angstgefühle bewältigen und gelassener werden. Kunstmann Verlag.

Lexikon der Psychologie (Spektrum Akademischer Verlag): Stichwort „Yerkes-Dodson-Gesetz“.

Luckner, J. L., & Nadler, R. S. (1997). Processing the Experience: Strategies to Enhance and Generalize Learning. Kendall/Hunt Publishing.

Max-Planck-Institut für Psychiatrie: Studien zu CRF und Lernen im Kleinhirn.

Molinsky, A. (2017). Reach: A New Strategy to Help You Step Outside Your Comfort Zone, Rise to the Challenge, and Build Confidence. Avery.

Vygotsky, L. S. (1978). Mind in Society: The Development of Higher Psychological Processes. Harvard University Press.

WHO (2020). Gut mit Stress und Belastungen umgehen: Ein illustriertes Handbuch.

Yerkes, R. M., & Dodson, J. D. (1908). The relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formationJournal of Comparative Neurology and Psychology, 18, 459–482.

Hej. Ich bin Janine

Hej. Ich bin Janine

Mit Wissen aus den Bereichen Kommunikation und Psychologie unterstütze ich Dich als Mentorin dabei, die Prozesse in Deinem Umfeld zu verstehen und Deine Rolle authentisch und wirksam auszufüllen.

Als systemische Coachin helfe ich Dir, die Beziehungen und Dynamiken in Deinem beruflichen und privaten Umfeld zu reflektieren. 

So kannst Du Herausforderungen sicher angehen und Deine Führungsaufgaben zielgerichtet und sinnstiftend gestalten.

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