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„Warum kann ich nicht einfach zufrieden sein mit meinem Job?“

Diese Frage stellte mir vor Kurzem eine Klientin. Von außen betrachtet schien alles zu passen: nettes Team, sinnstiftende Aufgaben, wenig Stress, keine Überstunden. Und trotzdem fehlte etwas.

In solchen Momenten lohnt sich ein Blick auf die eigenen Motive – also die inneren Antriebskräfte, die unser Verhalten beeinflussen (Heckhausen, 2018; Hilmer, 2019)

Sie wirken im Beruf ebenso wie im Privatleben. Wer sie kennt, versteht leichter, warum sich manche Situationen stimmig anfühlen und andere eher nicht.

Was sind Motive?

In der Psychologie werden Motive als relativ stabile, aber veränderbare Grunddispositionen (Brandstätter, 2018; Hilmer, 2019) beschrieben.

Sie prägen unser Handeln über längere Zeiträume und geben uns das Gefühl, kompetent und wirksam zu sein (Heckhausen, 2018).

David McClelland hat drei zentrale Motive identifiziert, die bis heute in der Forschung bestätigt werden:

  • Machtmotiv

  • Anschlussmotiv

  • Leistungsmotiv

Jeder Mensch trägt alle drei in sich – nur die Ausprägung ist individuell (Brandstätter, 2018). Daher sprechen wir auch von einer Motiv-Struktur.

Abgrenzung der Motive von Motivation

Motivation beschreibt den aktuellen Zustand, in dem ein Motiv durch eine Situation oder ein Ziel aktiviert wird und zu Handeln führt (Heckhausen, 2018).

Das Machtmotiv

Menschen mit stark ausgeprägtem Machtmotiv möchten etwas bewirken – bei sich oder anderen (Hilmer, 2019). Sie übernehmen Verantwortung, bringen Ideen ein und motivieren ihr Umfeld. Im besten Fall nutzen sie ihre Einflussmöglichkeiten zum Wohl der Gemeinschaft (Furtner, 2019). Wird Macht jedoch aus Eigeninteresse eingesetzt, kann sie manipulierend wirken (Brandstätter, 2018).

Ein Beispiel aus dem Job:
Eine Kollegin übernimmt in Projekten die Leitung, wenn Entscheidungen ausbleiben. Sie schlägt Strukturen vor, motiviert das Team und sorgt für Fortschritt. Handelt sie jedoch nur aus Eigeninteresse, entscheidet sie allein, um Kontrolle zu behalten.

Das Anschlussmotiv

Hier geht es um Nähe, Austausch und Zugehörigkeit. Anschlussorientierte Menschen bevorzugen Teamarbeit, suchen Gemeinsamkeiten und tragen zu einem guten Miteinander bei (Hilmer, 2019).
Herausfordernd wird es, wenn die Angst vor Zurückweisung dazu führt, Konflikten aus dem Weg zu gehen (Brandstätter, 2018).

Ein Beispiel aus dem Job:
Ein neuer Kollege sucht sofort den Kontakt, schlägt ein Feierabendtreffen vor und achtet darauf, dass alle sich einbezogen fühlen. Wird Zugehörigkeit zu wichtig, vermeidet er jedoch kritische Themen – auch wenn sie nötig wären.

Das Leistungsmotiv

Leistungsmotivierte Menschen arbeiten strukturiert, zielorientiert und mit hohem Qualitätsanspruch (Furtner, 2019). Sie suchen stetig nach Möglichkeiten zur Verbesserung – und laufen Gefahr, sich zu überfordern, wenn die Messlatte dauerhaft zu hoch liegt (Brandstätter, 2018).

Ein Beispiel aus dem Job:
Eine Fachkraft plant vorausschauend, entwickelt sich kontinuierlich weiter und lässt sich von Fortschritten motivieren. Ohne sichtbare Ergebnisse steigt jedoch die Selbstkritik – und der Druck, den eigenen Standards zu entsprechen.

Das wars noch nicht …

Implizite und explizite Motive

McClelland unterschied außerdem zwischen expliziten (bewussten) und impliziten (unbewussten) Motiven (Heckhausen, 2018; Hilmer, 2019):

  • Explizite Motive: Erlernt oder von außen geprägt, z. B. durch Erziehung oder Vorbilder. Sie lassen sich bewusst benennen und sind zielorientiert.

  • Implizite Motive: Frühe, unbewusste Antriebskräfte, die sich in spontanen Vorlieben und Verhaltensweisen zeigen.

Wenn beide Ebenen nicht zueinander passen, entsteht oft Unzufriedenheit – auch dann, wenn objektiv eigentlich alles gut zu sein scheint.

Warum Du das wissen solltest

Wer die eigene Motivstruktur kennt, kann Entscheidungen treffen, die langfristig tragen. Das reduziert innere Widersprüche und erhöht die Zufriedenheit im Job.

Eine Frage, die Dir einen ersten Hinweis geben kann:
In welcher Situation fühlst Du Dich am zufriedensten?


Wenn Du ein Projekt erfolgreich abschließt, ein gutes Miteinander geschaffen hast oder Deine Ideen durchsetzen kannst?

Kostenloses Motive-Quiz 

Wenn Du herausfinden möchtest, welches Deiner drei Grundmotive ausgeprägt ist, probiere das Motive-Quiz:

Brandstätter, V. (2018). Motivation und Emotion. Springer.

Furtner, M. R. (2019). Self-Leadership und Führung. Springer.

Heckhausen, J., & Heckhausen, H. (2018). Motivation und Handeln. Springer.

Hilmer, K. (2019). Motive, Motivation und Ziele im Personal Performance Management. Springer Gabler.

Hej. Ich bin Janine

Hej. Ich bin Janine

Mit Wissen aus den Bereichen Kommunikation und Psychologie unterstütze ich Dich als Mentorin dabei, die Prozesse in Deinem Umfeld zu verstehen und Deine Rolle authentisch und wirksam auszufüllen.

Als systemische Coachin helfe ich Dir, die Beziehungen und Dynamiken in Deinem beruflichen und privaten Umfeld zu reflektieren. 

So kannst Du Herausforderungen sicher angehen und Deine Führungsaufgaben zielgerichtet und sinnstiftend gestalten.

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